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Hamburg - Smash Online-News

 Mittwoch, 21. Februar 2007

   

„Starkes Interesse am Jugendvolleyball“

Interview mit HVbV-Jugendreferent Andreas Wurche

Beim Verbandstag des Hamburger Volleyball-Verbandes im Mai 2006 wurde der vom Jugendverbandstag gewählte Andreas Wurche (44) als Jugendreferent bestätigt. Smash Online befragte ihn über die ersten Monate voller Aufräum- und Aufbauarbeiten.

Andreas Wurche ist 44 Jahre jung, ledig, von Beruf Verwaltungsbeamter bei Dataport, dem IT-Dienstleister für Hamburg und Schleswig-Holstein und in dem Unternehmen als Anwendungsentwickler tätig. Er spielt seit 1975 Volleyball, zur Zeit in einem Mixed-Team, trainiert zusätzlich zwei Frauenteams. Seit 1982 ist er mit einer kurzen Unterbrechung als Abteilungsleiter der Volleyballer von Grün-Weiß Eimsbüttel tätig.

Andreas, als ich im Mai wegen eines Interviews anfragte, sagtest du, du bräuchtest  erst einmal Zeit, um dir einen Überblick zu verschaffen und eine Art Bestandsaufnahme zu machen. Wie steht es denn zur Zeit um den Jugendvolleyball in Hamburg?
Andreas Wurche: Natürlich musste ich erst einmal einen Überblick gewinnen sowie eine Wertigkeit entwickeln, was mit erster Priorität angepackt werden sollte. Aus meiner Sicht gibt es in Hamburg sehr viele gute Aktionen, die viel zu wenig genutzt werden und so nicht die gewünschten Effekte erzielen.

Was waren deine ersten Maßnahmen?
Als erstes war mir wichtig, besser miteinander arbeiten zu können. Nur, weil der Verband und die Geschäftsstelle hier auch Signale ausgestrahlt haben, war ich zur Kandidatur bereit. Als ich dann in einem der ersten Treffen gleich die Frage von mehr Stellvertretern regeln wollte, fragten alle, ob ich denn schon wieder aufhören wolle. Darum ging es natürlich nicht. Mein Wunsch ist lediglich, den Jugendausschuss auf eine breitere Basis zu stellen.

Was heißt das konkret?
Zur Zeit sind im Jugendausschuss fünf Mitglieder. Ich wünsche mir, dass es doppelt so viele werden, nicht nur, um Arbeit auf mehr Schultern verteilen zu können, sondern vor allem, damit Informationsfluss und Interesse wieder mehr über ganz Hamburg verteilt wird. Bei allen Schwierigkeiten von ehrenamtlichen Trainern und Helfern: möglichst viele Vereine sollten Vertreter im Jugendausschuss haben! Dann wird das, was getan wird, auch noch mehr Verbreitung und Bedeutung im Hamburger Volleyball haben. Ich beabsichtige, einzelne Personen zunächst für Projekte zu begeistern, es liegt bei jedem, ob dann daraus eine dauerhafte Zusammenarbeit erwächst.

Was ist denn die Hauptaufgabe des Verbandes in der Jugendarbeit und was kann dabei der Jugendreferent bewirken?
Der Verband kann den Vereinen die Jugendarbeit nicht abnehmen, aber er kann Impulse setzen, Hinweise geben und so die Rahmenbedingungen für die Vereine verbessern. Zudem wissen wir ja, dass sich die Situation im Bildungswesen, das ja mit dem Sport eng verbunden ist, massiv ändern wird. Hier müssen wir am Ball bleiben! Die Schulen erscheinen mir heute viel offener für Kooperationen als früher. Jetzt gilt es, neue Kontakte zu schaffen und die Angebote der Vereine fit für die Zukunft zu machen.

Also die Verbindung zu bzw. den Umgang mit Schulen. Wie bist du da herangegangen?
In der Tat lebte die Jugendarbeit der Vereine zum Großteil davon, dass die Schulturnhallen ab einer bestimmten Zeit für die Vereine freigegeben wurden und dass  Lehrer in Neigungsgruppen das Interesse für Volleyball geweckt  haben. Das funktioniert heute so nicht mehr - ich nenne nur die Stichworte Ganztagsschule und Lehrerarbeitszeitmodell. In Gesprächen mit Vertretern der Schulbehörde und des Sportamtes suchen wir gemeinsam nach neuen Wegen.

Gibt es schon Erkenntnisse, von denen du berichten kannst?
Zunächst freut es mich, dass in Gesprächen mit den Fachvertretern Volleyball der Schulbehörde, Marianne Lorbeer und Andreas Gloy, das starke Interesse deutlich wurde, Volleyball weiterhin im Schulsport einzubinden. Allerdings wird bisher oft zu wenig von Seiten der Vereine angemessen auf die Schulen zugegangen. Man muss wissen, wie die Schule tickt. Auf dem Jugendverbandstag werden wir Vorschläge machen, wie Schulen und Vereine gleichermaßen von Kooperationen profitieren können.

Und im Sportamt?
Herr Baumann, der im Sportamt für Sportentwicklung/ Leistungs-, Schul- und Breitensport zuständig ist, sieht durchaus noch eine Menge Potential, Volleyball an den Schulen wieder zu beleben. Es gilt wieder mehr Lehrerfortbildungen anzubieten, Ballsport bereits in der Grundschule zu fördern, niederschwellige Angebote zu machen und diese mit großen Events in Hamburg zu verbinden sowie die Nachhaltigkeit bestehender Angebote zu stärken. Es ist interessant, was Schulen so alles machen und öffentlich kaum bekannt ist. So gibt es beispielsweise in Altona und Eimsbüttel Bezirksmeisterschaften von Schul-Volleyballmannschaften. So etwas sind doch Ansatzpunkte, um gemeinsam etwas voran zu treiben.

Welche Ideen ziehst du daraus?
Ich will hier nur zwei Beispiele nennen. Zum einen wäre es doch toll, die genannten Bezirksmeisterschaften auf alle Bezirke zu erweitern, um anschließend einen Hamburger Schulmeister ermitteln zu können. Und natürlich „Jugend trainiert für Olympia“. Das ist ein etablierter Wettbewerb und damit einfacher zu intensivieren. Ich stelle mir vor, dass jeder Verein einer Schule hilft, eine Schulmannschaft aufzubauen und zu betreuen, damit sie möglichst erfolgreich am Wettbewerb teilnimmt.

Aber wer soll das von Vereinsseite aus machen, da diese Veranstaltungsformen tagsüber stattfinden?
Wir müssen erkennen, dass der Übungsleiter eines Vereins, so wie wir ihn heute kennen, zu den Trainingszeiten an den Schulen nicht zur Verfügung stehen wird und müssen auch da neue Wege finden. Möglichkeiten gibt es z.B. bei Lehramts-Studenten, bei Schülern aus höheren Klassen und manchmal vielleicht auch durch fest angestellte Kräfte. Deren Finanzierbarkeit könnte über mehrere Vereine und Schulen abgedeckt werden.

Bekommt man denn durch solche Veranstaltungen Jugendliche in die Vereine?
Wir müssen da aus Versäumnissen auch lernen. Die durchaus tolle Veranstaltungsreihe YoungBeach hat sich anfangs im wesentlichen an Nichtvereinsspieler gerichtet und wollte eigentlich primär auf Trainingseinheiten setzen, aus denen dann erst Turniere entstehen sollten. Mittlerweile hat sich daraus überwiegend ein Turnierangebot für Jugendliche entwickelt, die schon in den Vereinen sind. Das ist zwar auch schön, hilft aber nicht wesentlich, um neue Mitglieder zu gewinnen. Den Weg in die Schulen zu gehen, dort zu arbeiten und Volleyball zu verbreiten, ist etwas beschwerlicher als einfach ein Turnier auszurichten, aber den Weg müssen wir gehen. Und gehen ihn ja auch z.B. mit der vom CVJM entwickelten Turnierserie You2, die mittlerweile vom HVbV betreut wird und aktuell deutlich mehr beteiligte Vereine und Schulen aufweist.

Ich höre oft, dass der HVbV zu wenig konkret für die Vereine macht. Sag mir mal was dazu.
Ich weiß, dass Geschäftsführer Ulrich Kahl zum Beispiel immer ein offenes Ohr für Probleme eines Vereins hat und gerne schaut, wie da zu helfen ist. Um nur ein konkretes Beispiel zu nennen: seit zwei Jahren bietet der HVbV an, über seinen FJS’ler Schul-AGs betreuen zu lassen. Das wurde anfangs schlicht und einfach nicht zur Kenntnis genommen. Mittlerweile ist Oliver Utermöhl  im Einsatz und trainiert aktuell vier AGs für drei verschiedene Vereine, aber das darf auch gerne noch mehr werden.

Siehst du den Schwarzen Peter also eher bei den Vereinen?
In einigen Vereinen wird ganz hervorragende Jugendarbeit geleistet. Insgesamt bestehen aber zu viele weiße Flecke auf der Landkarte, wo so gut wie nichts geschieht. Hier müssen wir uns gemeinsam bewegen, um voran zu kommen! Und es gibt in Hamburg ja auch in nächster Zukunft mehrere Events, an denen Vereine und Verband gemeinsam arbeiten und neue Mitglieder gewinnen können.

Was meinst du da?
Zum Beispiel die Hochschulweltmeisterschaften im Beach-Volleyball, die 2008 in Hamburg stattfinden und für die sich das Hochschul-Team um Jörg Förster enorm viel hat einfallen lassen. Da kann und muss eine Menge passieren. Es stand auch mal die Möglichkeit im Raum, in Hamburg ein Olympia-Qualifikationsturnier auszutragen. Solche Events müssen wir natürlich gemeinsam nutzen. Und ich finde, wir müssen neben einer natürlichen Konkurrenz zwischen den Vereinen vermehrt dazu kommen, dass Vereine auch zusammen arbeiten.

Wie sieht es mit den bestehenden Angeboten für Jugendliche im HVbV aus? Gibt es da Pläne für Veränderungen?
Der DVV hat die Jugendspielklassen neu strukturiert. Es gibt jetzt fast überall in Deutschland die Spielklassen U21, U18, U16, U14 und U13. Dies wollen wir auf dem Jugendverbandstag für Hamburg anpassen. Wir haben uns auch viele Gedanken gemacht über die Jugendmeisterschaften und ob man diese vielleicht an die Spielklassen anbinden sollte. Die jetzt bestehenden Strukturen gibt es jedoch noch nicht lange. Wir wollen die letzten Veränderungen zunächst wirken lassen, bevor wir über weitere Verbesserungen entscheiden.

Ein regelmäßig wiederkehrendes Thema in der Öffentlichkeit ist das Ehrenamt und dessen Honorierung. Wie kann man z.B. neue Jugendtrainer gewinnen?
Es gibt da viele Ideen. Der frühzeitige Einsatz als Co-TrainerInnen ist so ein Ansatz und  die U18-Talente Aktion des Abendblatts ist ein Super-Event! Dies geht aber auch über den Bereich des HVbV hinaus. Projekte wie z.B. vom Verein „Jugend ohne Grenzen“ wollen wir auf jeden Fall verstärkt einbeziehen. Der Verein macht sehr gute, vielfältige Aktionen für Jugendtrainer.

Wäre es für den HSB als größten Hamburger Interessenverband, wie er sich selbst gern nennt, nicht eine interessante Maßnahme, eine Ehrenamts-Card für Trainer und Helfer einzurichten, durch die diese Vergünstigungen erlangen, die ihr Verein ihnen nicht bieten kann?
Eine Ehrenamts-Card  ist auch eine schöne Idee, sicher nichts, was der HVbV leisten kann. Noch wichtiger aber finde ich, dass die städtischen Einsparungen im Bereich Sport gestoppt werden. Der Nutzen gerade der Jugendarbeit wird viel zu niedrig bewertet. Die Arbeit, die in der Stadtverwaltung eingespart und den Ehrenamtlichen aufgelastet wird, lähmt den Sport ungemein. Es fehlt uns an Ansprechpartner in den Schulen und in der Verwaltung. Es fällt schwer, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, wenn diese sich als Lückenbüßer ausgenutzt sehen und jegliche Form der Kreativität von vornherein auf der Strecke bleibt. Eine Stadt mit den Ansprüchen Hamburgs muss allen Formen des Sports eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Stichwort Jugendleistungsförderung: vor kurzem hat die weibliche Landesauswahl beim B2-Bundespokal den 6. Platz belegt, für ein Bundesland ohne Bundesstützpunkt ein herausragendes Ergebnis. Entwickelt sich da was nach vorn oder haben wir einen zufällig besonders guten Jahrgang?
Selbst, wenn es „nur“ ein guter Jahrgang wäre, liegt dem ja auch Sichtungsarbeit zugrunde und damit einiges an Arbeitsleistung unserer Verbandstrainer. Glückwunsch auch an dieser Stelle, ebenso zum 9. Platz der männlichen Auswahl! Sicher macht sich bemerkbar, dass seit einigen Jahren die gleichen Personen arbeiten und etwas aufbauen. Erstmals haben die Auswahlteams durch den Ausbau des Olympiastützpunktes in dessen neuer Sporthalle eine eigene Halle, in der nur sie trainieren. Auch das ist ein wesentlicher Schritt nach vorn und wir sehen da noch weiteres Entwicklungspotential. Aber wir beobachten auch die Entwicklungen bei den Vereinen in den oberen Ligen. Wenn sich z.B. ein Weltkonzern wie die Norddeutsche Affinerie als Sponsor zur Jugendleistungsförderung in Hamburg bekennt, kann man hoffen, dass sich einige langjährige Probleme in der Region auch lösen lassen.

Zum Abschluss: Kannst du deine Erkenntnisse nach fast einem Jahr als Jugendreferent irgendwie zusammenfassen? Und was ist dein größter Wunsch?
Ich bin davon überzeugt, dass wir sehr viel erreichen  können, wenn es uns gelingt die wichtigen Informationen  an die richtigen Leute zu bringen. Ich wünsche mir, dass viel mehr Berührungspunkte zwischen Jugend- und Erwachsenenvolleyball geschaffen werden und dass wir den Grundstein für viele neue Jugendabteilungen legen können.

Interview: Peter Neese

Der Jugendverbandstag des HVbV findet statt am 

Mittwoch, dem 11. April, um 18.00 Uhr 
im Haus des Sports (Olympiasaal)

Anträge zum Jugendverbandstag müssen bis spätestens 14. März, 12.00 Uhr, bzw. Posteingang in der Geschäftsstelle schriftlich eingegangen sein.

 

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