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Sonntag, 02. November 2003 

USC zeigt sich deutlich verbessert
Favoritensiege zum Worldcup-Start
Volley Dogs verschenken Sieg gegen Wuppertal
"Der Fußball steckt noch im Mittelalter"

November 2003

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Deutschland - Braunschweiger Zeitung 

Sonntag. 02. November 2003

USC zeigt sich deutlich verbessert

Volleyball-Erstliga-Aufsteiger unterliegt trotzdem 0:3 gegen Schwerin

Eine deutliche Leistungssteigerung war es. Insbesondere in Annahme und Feldabwehr zeigte sich Volleyball-Erstligist USC Braunschweig gestern Abend in seinem Punktspiel gegen den Schweriner SC verbessert. Am Ende kassierte der Aufsteiger aber trotzdem eine 0:3 (18:25, 11:25, 17:25)-Niederlage.

Genau 65 Minuten dauerte das zweite Heimspiel der Saison. Gut 350 Zuschauer sahen in der Tunica-Halle aber ein kurzweiliges und teilweise gutklassiges Spiel. Insbesondere Außenangreiferin Maja Pachale glänzte mit ihrem Spiel. Block und Angriff: Die 24-Jährige war überall zur Stelle. Einige Veränderungen hatte USC-Coach Timo Schröder im Team vornehmen müssen. Zuspielerin Jana Ulrich fällt die nächsten Wochen aus, Martina Bamberg stand von Beginn an in der Verantwortung. Auch sie erledigte ihre Sache gut.

Biss, Selbstvertrauen und Konzentration zeigten die Gastgeberinnen zu Beginn. Zwar hatten sie gegen die ausgezeichneten Angriffe der Schwerinerinnen nicht immer das geeignete Gegenmittel, doch geschlossen kämpfte der Aufsteiger sich in die Partie. "Es war schon ein deutlicher Fortschritt in unserem Spiel zu sehen", erkannte Schröder an. Doch so ganz zufrieden war er nicht: "Insbesondere die Blockabwehr hätte da ein ums andere Mal besser greifen können."

Einen kleinen Knacks bekam das Spiel der Gastgeberinnen, als Schröder Mittelblockerin Barbora Kolinova auswechseln musste. Sie leidet – wie fast alle USC-Spielerinnen – an einer Erkältung. "Irgendwann bekam sie einfach keine Luft mehr", erklärte Schröder den Wechsel zum Ende des zweiten Satzes. Für die 28-Jährige kam Brigitta Katona.

Zufrieden war der gegnerische Coach mit seinen Mädels: "Das war die bisher beste Saisonleistung", lobte Tore Aleksandersen. Und auch dem Aufsteiger zollte er Tribut: "Die kämpferische Einstellung der Braunschweigerinnen hat gestimmt." Das ehrte Schröder zwar, doch "dafür kšnnen wir uns nichts kaufen", haderte der Lehrer ein wenig. Aber viel Zeit zum Hadern hat Schröder nicht. Bereits am Sonntag muss der USC beim Dresdner SC (15 Uhr) antreten. Auch keine leichte Aufgabe. Nach dem Tabellen-Vierten Schwerin wartet dann der Fünfte der vergangenen Saison. Insbesondere mit ihren Angaben wollen die Braunschweigerinnen dann mehr Druck machen. "Der fehlt uns ganz einfach noch in vielen Situationen", sagte Timo Schröder.

Insgesamt geht es in dieser frühen Phase der Saison darum, die eigene Fehlerquote zu verringern und sich an das Tempo im Oberhaus des Volleyballs zu gewöhnen. Schwerin gehört zu den ersten schweren Gegnern aus den Höhen der Tabelle. Perfekte Lehrmeister, gegen die der Neuling in der Liga nichts zu verlieren hat. Ein attraktives Spiel kann und soll es aber trotzdem werden.

Stefani Franzke

 

Deutschland - Hamburger Morgenpost 

Sonntag. 02. November 2003

Favoritensiege zum Worldcup-Start

Tokio - Die Favoriten sind am ersten Tag des als Olympia-Qualifikation geltenden Worldcup der Volleyball-Frauen in Japan ihrer Rolle gerecht geworden. Allerdings hatten Vize-Weltmeister USA und Europameister Polen mit mühevollen 3:2-Siegen große Probleme.

Die USA bezwangen Südkorea, Polen in einer Neuauflage des EM-Finals vom 28. September in Ankara die Türkei. Grand-Prix-Sieger China gab beim 3:1-Erfolg über Brasilien den ersten Satz sang- und klanglos 14:25 ab.

Die USA gerieten in Tokio in der vom deutschen Schiedsrichter Frank Leuthäußer (Gotha) geleiteten Partie trotz einer 2:0- Satzführung noch in Gefahr. Als die Angriffe nicht mehr saßen, fanden die abwehrstarken Asiatinnen immer besser ins Spiel und erzwangen den umkämpften Tiebreak, den die USA nach 108 Minuten mit dem zweiten Matchball für sich entscheiden konnten. Polen konnte in Kagoshima nicht an die Leistung vom 3:0 im EM-Endspiel anknüpfen und musste jeweils einen Satzrückstand aufholen. Nach dem 25:11 ging es im entscheidenden fünften Satz bis zum 12:12 ausgeglichen zu, ehe der Europameister alles klarmachte.

Weltmeister Italien, als EM-Sechster nur durch eine Wildcard des Weltverbandes FIVB dabei, entledigte sich seiner Aufgabe gegen den überforderten Afrikameister Ägypten souverän in drei Sätzen. Im Yoyogi-Stadion in Tokio feierten 12 000 Zuschauer einen 3:0-Triumph der Gastgeber über Argentinien. Der dreimalige Olympiasieger Kuba landete einen 3:1-Sieg über die Dominikanische Republik.

Der Worldcup mit 11 Spielen in zwei Wochen ist ein echter Härtetest. Als Lohn winkt den besten drei Teams das Olympia-Ticket für Athen 2004, das bisher nur Gastgeber Griechenland sicher hat. Komplettiert wird das Zwölfer-Feld durch die Sieger der fünf kontinentalen Ausscheidungen und drei weitere Qualifikationen. Die deutschen Frauen spielen im Januar in Baku/Aserbeidschan, und die Männer sind in Leipzig Gastgeber (5. bis 10. Januar).

 

Deutschland - Berliner Zeitung 

Sonntag. 02. November 2003

Volley Dogs verschenken Sieg gegen Wuppertal

2:3 im Tiebreak

Berlin (dpa/bb) - Die Volley Dogs Berlin haben am 5. Bundesliga- Spieltag den möglichen ersten Saisonsieg verschenkt. Die Gastgeber unterlagen am Samstag dem Favoriten Bayer Wuppertal nach großem Kampf mit 2:3 (26:24, 21:25, 21:25, 30:28, 10:15) erst im Tiebreak. Der erstmals eingesetzte Diagonalangreifer Michael Raddatz brachte viel Schwung in die Aktionen der Berliner, verletzte sich später allerdings am Rücken. Nach zwei Stunden Spielzeit machten die Gäste schließlich den glücklichen Sieg perfekt.

 

Deutschland - Hamburger Abendblatt 

Sonntag. 02. November 2003

"Der Fußball steckt noch im Mittelalter"

Ansichtssache: Wie der Hamburger Robert Knoop Spiel und Training verändern würde.

ABENDBLATT: Herr Knoop, wie viel Prozent des Potenzials werden im Fußball derzeit ausgeschöpft?
KNOOP: Zwischen 20 und 50 Prozent, und die 50 sind ziemlich hoch gegriffen.

ABENDBLATT: Wo sehen Sie denn das meiste Potenzial?
KNOOP: Die zwei wichtigsten Punkte liegen bei den Trainingsmethoden und in der Taktik. Teamwork folgt, und mentale Einstellung kommt als vierter Aspekt hinzu. Im Gegensatz zu anderen Teamsportarten steckt der Fußball da noch im Mittelalter.

ABENDBLATT: Was muss der Fußball vor allem lernen?
KNOOP: Er sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das heißt: zu lernen, aufs Tor zu schießen, und zwar jeden Tag 200- bis 300-mal. Das können Sie nicht auf ein normales Tor machen, dafür müssen Sie Stein- oder Betonwände errichten, ein Tor darauf malen, in den Ecken Kreuze, und von beiden Seiten muss jeder Spieler für eine halbe Stunde darauf schießen - ohne den Ball anzunehmen. Drei Jahre lang, sechs Tage die Woche, egal ob es schneit oder regnet. Dann kann der Tore schießen.

ABENDBLATT: Aber ihm fehlen dann Spielwitz, Ballbehandlung, Tricks und Finessen, alles, was den Fußball auszeichnet.
KNOOP: Da das Wesentliche im Fußball aus Torschuss und Flanken besteht, sind weitere technische Fähigkeiten nicht zwangsläufig notwendig, denn Tore fallen selten aus dem Geplänkel im Mittelfeld heraus. Sie brauchen keine brasilianischen Ballkünstler, die bringen Sie nicht voran. Sie brauchen Leute wie David Beckham, nur noch dreimal so gut, die präzise, harte Flanken schlagen und den Ball aus jeder Lage aufs Tor knallen können.

ABENDBLATT: Aber der englische Fußball hat doch Jahrzehnte diesen Stil praktiziert: kick and rush. Das Urteil ist längst gefällt: zu schematisch, zu erfolglos.
KNOOP: Dies ist kein "Kick and Rush". Sie spielen den Ball zu jemandem, der sich in guter Schussposition befindet oder der frei steht. Sie dürfen den Pass nur zu dem schlagen, der ihn auch weiterleiten kann. Das ist das Zwei-Stufen-Denken.

ABENDBLATT: Gibt es denn Sportarten in Kanada oder den USA, wo in dieser Form trainiert wird?
KNOOP: Nein, noch nicht.

ABENDBLATT: Haben Sie schon einmal versucht, ihre "Powerfußball-Theorie" umzusetzen?
KNOOP: Noch nie. Aber es ist total logisch. All die Profis, ob Golf, Baseball, Basketball oder Football - all die großen Spieler üben zwei Stunden länger als die anderen. Genau das vermisse ich bei den meisten Fußballspielern.

ABENDBLATT: Wie würden Sie den jetzigen Fußball bezeichnen?
KNOOP: Glücksfußball. Die hauen den Ball hoch in den Strafraum und hoffen aufs Beste. Das hat mit Fußball im Prinzip wenig zu tun. Von der Verteidigung halte ich auch nicht viel. Das ist doch kein Deckungssystem, so weit, wie die Spieler oft auseinderstehen.

ABENDBLATT: Gibt es andere Sportarten, die mit einer ähnlichen Systematik vorgehen, die Sie fordern?
KNOOP: Diese Systematik bleibt zu oft dem Einzelnen überlassen, seiner Initiative, seinem Ehrgeiz. Die Trainer trainieren ja meist mit der ganzen Truppe. Da fordere ich ein Umdenken: weg vom Gruppentraining, hin zur individuellen Schulung.

ABENDBLATT: Nehmen wir an, Sie würden eine Bezirksliga-Mannschaft übernehmen. Welches Niveau könnte die erreichen?
KNOOP: Innerhalb von drei Jahren würde so ein Team Bundesliga-Vereine schlagen. Bei jungen Spielern, die ich selbst aussuchen könnte. Mit einem Denktyp, der die Abwehr organisiert, mit intuitiven Typen, die das Spiel durcheinander wirbeln, mit Realitätstypen, die den Ball reinhauen.

ABENDBLATT: Meinen Sie denn, das die Mannschaften derzeit schlecht zusammengestellt sind?
KNOOP: Äußerst schlecht. Alle die gleichen Typen. Wie der Trainer, der das unbewusst gemacht hat nach dem Motto: Der passt zu uns, der ist so wie ich. Vom Charakter, von der Persönlichkeit her. In den USA werden alle guten 100-Meter-Läufer Footballer, weil sie den anderen davonrennen können. Im Fußball sollte es genauso sein. Wenn Sie zwei Sekunden schneller sind und jemand gibt ihnen eine Steilvorlage, sind Sie am Ball und nicht der Gegner. Und darauf kommt es an.

ABENDBLATT: Welchen Anteil hat die mentale Vorbereitung?
KNOOP: Sie gehen jedes Spiel vorher durch: Was kann passieren, wer sind die Spieler, wie ist das Stadion, wo liegen die Stärken, wo sind die Trickbewegungen. Regen, Eis - nichts kann Sie überraschen. Sie vergessen danach die Äußerlichkeiten und sind total konzentriert aufs Spiel. So bereiten sich zum Beispiel Tennisprofis oder Boxer vor - Fußballer aber überlassen vieles dem Zufall. Da gibt es noch viel Potenzial.

ABENDBLATT: Gibt es Erkenntnisse, wie erfolgreich mentale Vorbereitung ist?
KNOOP: Es gab einen Versuch mit drei Gruppen von Basketballern. Eine Gruppe übte vor dem Korb, eine trainierte nur mit dem Kopf, stellte sich die Würfe vor - und die letzte Gruppe tat beides. Diese war auch die Erfolgreichste, gefolgt von der zweiten Gruppe. Alle großen Sportler, siehe Boris Becker, sind nur durch das Mentale so groß geworden.

ABENDBLATT: Warum wird im Fußball so wenig Wert aufs Mentale gelegt, sind die Leute zu borniert?
KNOOP: Ich weiß es nicht. Ich sehe keinen Fortschritt, seit ich weggegangen bin aus Deutschland.

ABENDBLATT: Ist das der Grund dafür, weil ihre Ideen noch keinen Anklang gefunden haben?
KNOOP: Ich habe Völler oder Vogts schon sechsmal angeschrieben und nie ein Feedback bekommen. Das Denken ist versteinert. So haben wir es vor zwanzig Jahren gemacht, so machen wir es weiter. Meine Thesen mögen radikal klingen, aber ich will provozieren, um Fortschritte zu erzielen, den Fußball zu entwickeln.

ABENDBLATT: Ist in Ihrem Modell Talent total unwichtig?
KNOOP: Darauf kommt es nicht zwingend an, wenn einer normal gebaut ist und halbwegs intelligent ist. Man kann man sich das meiste antrainieren.

ABENDBLATT: Also würden Sie aus elf Hans-Peter Briegels, dem ehemaligen Zehnkämpfer und späteren Nationalspieler, eine unschlagbare Mannschaft machen?
KNOOP: Ja! Briegel ist doch das beste Beispiel, dass es geht.

ABENDBLATT: Und alle elf müssen zudem zum eigenverantwortlichen Handeln erzogen werden?
KNOOP: Genau! Für das Training sind Sie verantwortlich, der Trainer schaut nur ab und zu nur hin.

ABENDBLATT: Das können Sie mit Deutschen nicht machen. Jeder Fußballer würde nach Hause gehen und lieber Flippern.
KNOOP: Weil man sie aus der Verantwortung lässt. Das Gegenteil muss geschehen. Die Spieler sollten sich über alles Gedanken machen, Taktik und Systeme entwicklen. Je mehr sie sich einbringen können, desto stärker identifizieren sie sich mit dem Team, dem Spiel, dem Verein. Der Trainer sollte nur moderieren.

ABENDBLATT: Stellen Sie sich eine eigene Mannschaft zusammen!
KNOOP: Daran denke ich. Deshalb habe ich das Institut für Fußball-Wissenschaften in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Und die Jungs sind dort in ganz gutem körperlichem Zustand. Und die sind auch richtig hungrig . . .

ABENDBLATT: Haben Sie eigentlich selbst einmal Fußball gespielt?
KNOOP: Ja! Anfang der 50er-Jahre bei Union 03 in Hamburg.

Interview: Alexander Laux, Rainer Grünberg

 

 © 1999-2003 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel