Heike Weber
Sehr extrem eine Mannschaftsspielerin

Wer ist Hamburgs erfolgreichste Volleyballerin? Ja, zählen wir ruhig auch die Männer und die 'Ehemaligen' mit dazu: Niemand kann Europameisterschaften und eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen vorweisen. Niemand außer Heike Weber.

Die Stellerin des TV Fischbek spielt Volleyball, seit sie denken kann. Geboren und aufgewachsen in Neustrelitz in der mecklenburgischen Seenplatte stand sie in der damaligen DDR vor der Wahl, sich für eine Freizeitaktivität entscheiden zu müssen. Etwas Sportliches sollte es schon sein. Doch: "Rudern hätte ich auch machen können, aber irgend jemand hat mir erzählt, daß man davon so ein breites Kreuz bekommt. Da habe ich mich für Volleyball entschieden.

"Sie trat in die SG Dynamo Neustrelitz-Süd ein und wurde von Armin Buttgereit trainiert und gefördert. Diesen ihren ersten Trainer nennt sie auch neben dem späteren Trainer von Neustrelitz, Herbert Schade, als ihren Entdecker. "Ich war eigentlich in der Jugend nie so richtig gut. Da aber mein Jahrgang insgesamt ein schwächerer war und bei den Sichtungen in den Trainingscentern viel Wert auf Körpergröße gelegt wurde, war ich eine der zwölf Spielerinnen, die ins Internat nach Berlin gehen sollten.

Heike Weber"Das war natürlich ein Abenteuer, denn Berlin war die große Traumstadt, in die jeder junge Mensch gerne will. So war auch Heike Feuer und Flamme ... und Volleyball-Deutschland erhielt "eine der besten Volleyballerinnen, die es in Deutschland bislang gegeben hat" (Hamburger Abendblatt).

Ihr Ehrgeiz war es, der Heike immer besser werden ließ. Und der Spaß am Volleyball als Mannschafts-spiel. "Ich bin sehr extrem eine Mannschaftssportlerin. Ich brauche das Verständnis und die Harmonie mit den anderen Spielerinnen und genieße dies sehr. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt in Fischbek noch ein Jahr drangehängt habe. Denn die sogenannte Sportler-Karriere habe ich schon lange beendet.

"Diese Sportler-Karriere war gespickt mit internationalen Erfolgen. 1979: Silber bei der Junioren-Europameisterschaft.

Und 1980 gewann Heike mit der DDR-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Moskau die Silbermedaille!

Der Europameister-Titel von 1983 zählt als weiterer Meilenstein (Konkurrentin auf der Zuspieler-Position damals übrigens Martina Schmidt, als Martina Schwarz in Hamburg wohlbekannt.

1985 gab's noch mal Silber bei den Europameisterschaften. Dieser Erfolg wurde jedoch überstrahlt vom Gewinn des Europapokals der Landesmeister mit Dynamo Berlin.

Die 204-fache Nationalspielerin wechselte Anfang 1990, also kurz nach der Wende, zur SG Rudow Berlin, ein Verein, der später mit Dynamo Berlin fusionierte und aus dem dann CJD Berlin entstand. Das Durcheinander, das mit diesen Fusionen einherging und ohnehin die bestehende Mannschaft quasi auflöste, brachte Heike dazu, ein Angebot von Bayer Lohhof anzunehmen. Das Engagement bei Bayer war allerdings nicht so glücklich für Heike, auch wenn sie sportlich gesehen in dieser Zeit noch einige Länderspiele für die BRD absolvierte. "Ich fühlte mich nicht wohl in München, in der Mannschaft lief es zwar okay, aber als mittlerweile alleinerziehende Mutter war es ganz schön hart.

"So war das Angebot des HSV, nach Hamburg zu kommen, verlockend. "Damals war ich schon mit Olaf Kortmann zusammen und die Entfernung zu meinen Eltern nach Neustrelitz war natürlich auch viel geringer. " Der HSV versprach Job und Kindertagesstätte zu organisieren und Heike zog nach Hamburg. "Als wir telefonierten, war es der HSV, als ich nach Hamburg kam, war es der HLSV und als die Saison losgehen sollte, war's der VC Hamburg und ich hatte weder Job noch eine Kindertagesstätte für meinen Sohn. Geholfen haben mir damals im Wesentlichen nur die Fans, Peter Mensching und Edgar Adloff z.B. haben mir dann für meinen Sohn einen Platz in einer Kindertagesstätte vermittelt. Doch von den HSV-Verantwortlichen war ich sehr enttäuscht. Da habe ich einfach aufgehört mit Volleyball.

"Michael Mücke, der zu der Zeit die Zweitliga-Damen des SC Langenhorn trainierte, ist es zu verdanken, daß Heike noch mal zurückkehrte und ein "sehr schönes Jahr" mit Langenhorn erlebte. Als Mücke den Verein verließ, kam die Anfrage von Knut Rettig genau zum richtigen Zeitpunkt. Heike wechselte zum TV Fischbek und konnte im letzten Jahr noch einen Erfolg verbuchen: den Aufstieg in die 1. Liga.

"Eigentlich sollte mit dem Aufstieg Schluß sein, aber der Reiz, noch einmal 1. Liga zu spielen, war doch noch stark. Viel wichtiger aber : die Stimmung im Team ist so toll, nur deshalb habe ich doch noch ein Jahr angehängt. Im Grunde genommen hat mein Sohn dies für mich entschieden. Er spielt mittlerweile auch selber Volleyball, ist mit dem 1. SC Norderstedt im Frühjahr 97 Hamburger Jugendmeister geworden und meinte, ich sollte doch noch ein Jahr spielen, wenn's mir soviel Spaß bringt.

"Die Beach-Karriere, meist an der Seite von Andrea Marunde, ist mit 1997 beendet. Auch als Trainerin werden wir Heike nicht erleben. "Nein, zum Trainer fühle ich mich nicht berufen. Ich werde auch keinen Trainer-Schein machen. In der DDR hatte zwar jede Nationalspielerin automatisch eine Trainerlizenz, aber das hielt ich nie für eine sinnvolle Lösung. Denn zum Trainerdasein gehört doch etwas mehr als das rein sportliche KnowHow."Dann soll im April endgültig Schluß sein mit Leistungsvolleyball. Wirklich ? "Definitiv. Es fällt halt auch nicht mehr so leicht, auch im athletischen Bereich. Der Trainingsstreß den Sommer über - das war schon hart. Und: ich spiele zwar gut, aber ich weiß auch, daß ich längst nicht mehr so gut spiele, wie ich mal konnte. Und dieser Anspruch an mich selbst macht die Entscheidung für mich leichter.

"Der TV Fischbek und die Hamburger Volleyballfans werden es schwerer haben, mit dieser Entscheidung zu leben. Ein letztes Ziel hat Heike nicht erreichen können, den Klassenerhalt mit dem TV Fischbek. "Wer auf dem letzten Tabellenplatz steht, muß halt absteigen. Aber für den Abstieg war unsere Mannschaft eigentlich wirklich zu gut. Unser größtes Problem waren wir selbst. Naja, schade. Aber dann steigt Fischbek nächstes Jahr wieder auf. Und ich guck mir das von außen an."

Peter Neese

 

 © 1999-2001 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel